Bei Dao (China), Mai 2010

Aufenthalt: 30. April bis 2. Juni 2010

© Ulrich Schreiber

Bei Dao (übersetzt: „Insel im Norden“) wurde 1949 als Zhao Zhenkai in Peking geboren. Zusammen mit dem Lyriker Mang Ke gründete er während des Pekinger Frühlings (1978‑80) die literarische Untergrundzeitschrift „Jintian“. In den 1970er- und 1980er-Jahren galt Bei Dao als einer der bekanntesten Vertreter einer jungen Generation von Lyrikern, deren Texte als „obskure Lyrik“ tituliert wurden. Die von der westlichen Moderne beeinflussten Gedichte sind von hoher Symbolhaftigkeit und gerade in ihrer scheinbaren unpolitischen Thematik hochgradig politisch. Im Februar 1998 war er einer der Mitunterzeichner des von Fang Lizhi verfassten Briefes mit der Forderung nach der Freilassung des Dissidenten Wei Jingsheng. Der Brief war Mitauslöser breiter Proteste in China. Zur Zeit des Tian’anmen-Massakers, mit dem das chinesische Militär am 3. und 4. Juni 1989 gewaltsam die Proteste der Bevölkerung niederschlug, war Bei Dao Gast des DAAD in Berlin. Da man ihm die Rückkehr nach China verweigerte, lebte er danach im Exil in England, Dänemark und den USA. Zurzeit ist er Dozent an der Chinesischen Universität Hong Kong. Neben seinem lyrischen Werk veröffentlichte Bei Dao Kurzgeschichten und Essays. Im März 2009 erschien beim Hanser Verlag die von Wolfgang Kubin herausgegebene und übersetzte Gedichtsammlung „Das Buch der Niederlage“. Die als Exilliteratur in den USA entstandenen Gedichte sind Bestandsaufnahme und Rückblick – die zerstobenen Illusionen eines Dichters, der von einer anderen, besseren Welt geträumt hat.

Bei Dao (China), May 2010

Residency: April 30th to June 2nd, 2010

Bei Dao (translation: “Island in the North”) was born in 1949 in Zhao Zhenkai in Beijing. Togehter with the poet Mang Ke he founded the literary underground magazine “Jintian” during the “Beijing Spring” (1978-80). In the 1970s and 1980s, Bei Dao was considered to be one of the best known representatives of a young generation of poets, whose works were named “obscure poetry”. The poems were influenced by the Western Modernists and are highly symbolic. In spite of their seemingly unpolitical topoi they were indeed highly political. In February 1998, Bei Dao was one of the co-signers of the letter written by Fang Lizhi, which demanded the release of the dissident Wei Jingsheng. The letter was one of the triggers to commence widespread protests in China. At the time of the Tian’anmen Massacre, where the Chinese military suppressed the protests on June 3rd and 4th, 1989, Bei Dao was a guest of the DAAD in Berlin. As his return to China was prohibited by the government, he continued to live in exile in Great Britain, Denmark and the USA. Currently, he is a lecturer at the University of China in Hong Kong. In addition to his poetry, Bei Dao has published short stories and essays. In March 2009, the collection of poems “Das Buch der Niederlage” (translation: the book of defeat) was published by Hanser Verlag, translated and edited by Wolfgang Kubin. The poems had been written during Bei Daos time of exile in the USA. A resumee and retrospect, they are the destroyed illusion of a poet who had dreamed of another, a better world.

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