Archiv der Kategorie ‘Artur Klinau in Berlin‘

 
 

Ein eindrucksvoller Abend voll Literatur…

…gestern Abend las Artur Klinau im ausverkauften Bleibtreu aus seinem Buch Minsk und dem neuen, zum Teil fertig gestellten Buch Steklotara. Ein eindrucksvoller Abend der russischen Literatur.

Artur Klinau – blog 9

Meine Berliner Klausur hat es mir erlaubt, anders auf die Welt zu schauen. Ich habe gelernt, ihren Lauten zu lauschen. Ich mag diesen Zustand. In Minsk fehlt er mir sehr. Dort hat man keine Möglichkeit, sich nach innen zu versenken – und kein Recht.

Vor einer Woche hörte ich – mein Schreibtisch steht am Fenster, es ist immer offen –, wie irgendwo in der Nähe, gleich nebenan, ein Vogel rief. Seitdem höre ich ihn immer – morgens, mittags, abends, nachts. Mit ihm ist der Herbst in mein Zimmer gekommen.

Ich habe den Herbst nicht nur daran erkannt, dass der Vogel vor dem Fenster sehnsüchtig ruft. Nicht nur daran, dass nachts der Wind nun kalt durchs Fenster bläst. Oder daran, dass bei einem meiner Spaziergänge plötzlich trockene Blätter unter meinen Sohlen raschelten… Dieser Tage saß ich in einem Park einer ruhigen, mir unbekannten Berliner Straße, in die ich wie immer zufällig geraten war. Ich war ganz nach innen versunken, als ich plötzlich aufgeregte Kinderstimmen hörte. Ich hob die Augen und sah Kinder mit riesigen Ranzen auf den Schultern (die Ranzen waren wirklich riesig, außer ihnen sah man nur die dünnen Kinderbeinchen). In der Nähe war eine Schule. Mit einem Mal kehrte ich viele Jahre zurück, dorthin, wo ein Kind ein Kind war, und es davon träumte, jede Pfütze in ein Meer zu verwandeln. Plötzlich spürte ich die Zeit, ihren unendlichen und gnadenlosen Fortgang. Die Zeit, die so gerne ihr Mal auf dem Menschen hinterlässt, um daran zu erinnern, dass jeder Anfang und jedes Ende irreversibel sind.

Mein Sommer in Berlin ist zu Ende. Oder endet mein Sommer in Berlin?

Habe ich ein Kapitel fertiggeschrieben, gebe ich dem nächsten seine Nummer, habe ich mein Buch beendet, beginne ich mit einem weiteren. Denn zu viel ist noch nicht ausgesprochen, noch nicht gesagt, noch nicht einmal gedacht, denn wenn ich gehe, will – muss – ich wiederkommen.

Die Zeit weiß, was und wozu sie wirkt.

Ich auch.

 Aus dem Russischen von Volker Weichsel

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Мое берлинское затворничество позволило мне по-другому увидеть мир, научиться слышать его звуки. Я очень люблю такое состояние. И его мне очень не хватает в Минске, где погружаться вовнутрь не имеешь не только возможности, но и права.

Неделю назад  – я работаю за столом у окна, которое всегда открыто – я услышал, как где-то недалеко, совсем рядом, начала кричать птица. Я стал слышать ее всегда – по утрам, днем, вечером, ночью. Вместе с ней в мою комнату пришла осень.

Осень я заметил не только потому, что птица тоскливо заорала за окном. И не только потому, что по ночам в окна стал врываться холодный ветер.  Или потому что однажды во время прогулки я услышал, как под ногами зашуршали сухие листья… Я сидел как-то в парке на незнакомой и как всегда случайной для меня тихой берлинской улице. Погруженный в свое внутри, вдруг услышал детские возбужденные голоса. Я поднял глаза и увидел детей с огромными рюкзаками за плечами (рюкзаки действительно огромные: за ними видны только тоненькие детские ножки ). Недалеко была школа. Я вдруг вернулся на много лет назад, туда, где ребенок был ребенком и каждую лужу мечтал превратить в море, и вдруг почувствовал время в его бесконечном и безжалостном движении. Время, которое так любит оставлять на человеке отметины, напоминая о необратимости любого начала и конца.

Мое лето в Берлине закончилось. Или мое лето заканчивается в Берлине?

Дописывая очередную главу, я ставлю новую цифру, заканчивая свою книгу, я берусь за новую. Потому что непроговоренного , невысказанного, даже еще неподуманного слишком много, потому что покидая я люблю, мне необходимо возвращаться.

Время ведает, что и для чего оно творит.

Я – тоже.

Artur Klinau – blog 8

Ein Wolf erzählt Ihnen niemals, dass er ein Wolf ist. Er kann nur darüber schreiben.

Wenn man soviel Zeit in Klausur verbringt, gewöhnt man sich in den vielen Stunden der Kontemplation und der Konzentration auf die Literatur so sehr daran, nach innen zu schauen, dass einem ab einem bestimmten Moment die Außenwelt fremd und unbekannt erscheint. Fremd bedeutet nicht feindlich, kalt oder leer. Im Gegenteil, in jenen seltenen Momenten, in denen ich hinaus gehe, freue ich mich, Leute zu treffen, sie kennenzulernen, etwas über sie zu erfahren. An der Zahl der Autos und Fußgänger auf der Straße erkenne ich, ob heute ein Werktag ist oder die Geschäfte geschlossen sind.

Sonn- und Feiertage nehme ich auf eine besondere Weise wahr. Nicht, dass ich nicht gerne die Arbeit ruhen lassen würde, doch ich habe es nie gekonnt und vielleicht auch nicht gewollt. Aber ich mag es sehr zuzuschauen, wie andere es tun. Wenn ich durch mein „Stadion“ spaziere, sehe ich Leute, die in Restaurants an kleinen Tischen sitzen und Zeit haben, den sonnigen Morgen oder den warmen Abend zu genießen. Oder ich gehe an Familien und Gruppen vorbei, die amüsiert die zum Jubiläum des Ku’damm dort aufgestellten Bären kommentieren. Oder ich bemerke Leute, die Leute auf dem Bürgersteig wie im Kino in mehreren Reihen auf Stühlen sitzen und aufmerksam in die geöffneten Fenster eines Cafés schauen. „Vermutlich läuft gerade ein Fußballspiel“, denke ich. Ich gehe näher ran: So ist es.

In solchen Momenten denke ich an Hesses Harry Haller, der so gerne in seine Klause stieg, auf der Treppe zwischen den Stockwerken stehen blieb, um sich an der Araukarie zu erfreuen. Ich habe das gern diesen Geruch von Stille, Ordnung, Sauberkeit, Anstand und Zahmheit… Ich beobachte gerne Feste, Feiertage, Müßiggang und vor allem die Wonne, mit der sich andere Leute am eigenen Müßiggang ergötzen. Mein unendliches innen spüren und mich an der Außenwelt erfreuen.

Der vergangenen Monat war für mich ein Monat der Rituale und Gewohnheiten. Er hat mir gestattet, mich einzuschließen und zu verschwinden, um zu sehen und zu hören. Ein Alltag, der aus einer Abfolge von immer gleichen Handlungen und Wünschen besteht, angefangen vom allmorgendlichen Rührei mit Toast bis zu dem Glas Weißwein und dem Whisky, die ich abends trinke.

Du entdeckst für Dich, dass Monotonie Glück bedeutet. Nicht die Monotonie selbst, sondern die Erkenntnis, dass Monotonie Glück bedeutet.

Wölfe haben Angst vor Glück. Oder?

Aus dem Russischen von Volker Weichsel

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Волк никогда не расскажет вам о том, что он волк. Он может об этом только написать.

Проведя столько времени в затворничестве,  за много часов сосредоточения и погружения в литературу, настолько привыкаешь смотреть внутрь, что в какой-то момент мир снаружи становится чужым и незнакомым. Чужым не значит враждебным или холодным или пустым. Наоборот, в те редкие моменты, когда я выхожу снаружи, я с радостью  встречаю людей, узнаю их и про них, по количеству машин и прохожих на улицах понимаю, сегодня будничный день или выходной.

Выходные и праздники воспринимаю особо. Я не то, чтобы не люблю отдыхать, просто никогда не умел этого делать, а может, и не хотел этого уметь. Но  мне очень нравится смотреть, как это делают другие. Прогуливаясь по «моему стадиону», я вижу людей, которые сидят за столиками в ресторане и не спеша наслаждаются солнечным утром или теплым вечером. Или прохожу мимо семей и компаний, которые весело с комментариями рассматривают праздничных мишек на KuDamm. Или замечаю, как на тротуаре на стульях сидят люди, как в кинозале – в несколько рядов – и внимательно смотрят в распахнутые окна кафе. «Наверное, идет футбольная трансляция», – думаю я. Подхожу ближе – так оно и есть.

В такие моменты я вспоминаю Гарри Галлера из романа Гессе, который любил, поднимаясь по лестнице в свою «берлогу», останавливаться между этажей и любоваться  араукарий. Я люблю вдыхать запах тишины, порядка, чистоты, благопристойности и обузданности… Я люблю наблюдать за весельем, праздниками, праздностью и, главное, наслаждением от собственной праздности, которое испытывают другие люди. Ощущая свое бесконечное внутри,  любоваться миром снаружи.

Этот месяц стал для меня месяцем ритуалов и традиций. Он позволил мне затвориться и уйти, чтобы видеть и слышать. Повседневность, состоящая из набора одних и тех же действий и желаний – начиная от традиционных яичницы с тостами по утрам и заканчивая бокалом белого, а потом рюмкой виски вечером.

Так открываешь для себя, что однообразие и есть счастье – не само однообразие, но осознание однообразия как счастья.

А волки счастья бояться. Или?


Der LiteraturRaum
    Im Rahmen des Projekts LiteraturRaum lädt das Hotel Bleibtreu Berlin in Zusammenarbeit mit dem internationalen literaturfestival berlin Schriftsteller in die Hauptstadt ein. Ein Jahr lang wird den Autoren aus aller Welt für jeweils vier bis sechs Wochen im Bleibtreu ein Zimmer zur Verfügung gestellt. Während dieser Zeit halten die Autoren Ihre Beobachtungen und Gedanken auf diesem Blog fest.
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