Archiv der Kategorie ‘2011/07 Artur Klinau‘

 
 

Lesung mit dem weissrussischen Autor Artur Klinau

 

Am kommenden Montag, 29. August stellt Artur Klinau sein Buch Minsk Sonnenstadt der Träume

vor. Moderiert wird die Lesung von Katharina Raabe, deutsche Lesung und Übersetzung Volker Weichsel.

19.00 Uhr im Bleibtreu Berlin, Eintritt frei

Artur Klinau – blog 7

Das deutsche Kino ist in Belarus bekannt und beliebt – von den phantasmagorischen Murnau-Filmen (seine Symphonie des Grauens war eine der schrecklichsten Erschütterungen meiner Kindheit) bis zu den provokanten Geschichten von Werner Herzog. Einen ganz besonderen Platz hat aber bei den meisten weißrussischen Cineasten Wim Wenders. Durch Der Himmel über Berlin haben wir diese Stadt entdeckt, haben uns in sie verliebt und angefangen davon zu träumen, eines Tages in sie zurückzukehren.

Es gibt viele Filme über Berlin. Wenders aber ist es gelungen, den Geist dieser Stadt einzufangen, ihren genius loci. Das wichtigste jedoch ist: Dieser Film erzählt von keiner bestimmten Stadt und ihren Bewohnern. Man entdeckt plötzlich diese Stadt in sich selbst. Wenders’ Film bringt dich dazu, die Stadt aus der du selbst kommt, anders zu sehen, sie mit den Augen jenes Kindes zu betrachten, das du einst im Spiegelbild der Pfützen und Schaufenster gesehen hast. Deshalb kommst du immer wieder auf diesen Film zurück, der Himmel über Berlin hat sich in ein Bild dieser ewigen Rückkehr verwandelt.

Ich war sehr gespannt auf Wenders jüngsten Film „Pina“. Natürlich, Pina war für sich schon interessant, aber wie würde Wenders das machen? Ihm gelingt immer ein unerwarteter Blickwinkel, selbst seine Dokumentarfilme haben eine besondere „Optik“.

In Berlin ergab sich die Gelegenheit, „Pina“ anzusehen. In Belarus ist er leider nicht im Verleih (die Kinos zeigen fast alle immer nur das gleiche: amerikanische Action-Filme, die volle Säle garantieren). Daher beschloss ich, für einige Stunden meine „Höhle“ zu verlassen.

Ich werde nicht beschreiben, was ich fühlte, als ich die Bilder dieses Films sah, nicht die Szenen in Erinnerung rufen, die mich für einen Moment die Wirklichkeit außerhalb des Kinosaals vergessen ließen. Aber ich verstand plötzlich, warum Wenders sich so lange, mehrere Jahre, auf diesen Film vorbereitet hat. Er wusste, dass ganz gleich welche besondere künstlerische Perspektive er auch wählen würde, dieser Film nur eine Regisseurin haben würde: Pina.

Ihre Kraft, ihre Gestalt steckt in jeder Szene, in jeder Bewegung der Körper, in der Mimik der Tänzer, in den Gegenständen, im Flug der Schwebebahn über Wuppertal. Vielleicht zeigt sich Wenders’ Genie aber gerade daran, dass er als Regisseur nahezu verschwindet: Es ist ihm gelungen, mit den Augen von Pina auf die Welt zu schauen und über das Mitgefühl, die Sinnlichkeit und die endlose Schönheit dieser Welt zu staunen. Pina hat sich die Welt nicht so vorgestellt, es ist ihr gelungen, „durch den Schmerz der anderen“ die höchsten Gipfel dieser Welt und gleichzeitig ihre so irdischen Grenzen zum Vorschein zu bringen.

Aus dem Russischen von Volker Weichsel

 

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Немецкое кино в Беларуси знают и любят, начиная от «фантасмагорических» фильмов Мурнау (его симфония ужаса стала одним из самых страшных потрясения моего детства), заканчивая провокационными историями Херцога.  Но фигура Вима Вендерса для многих беларуских киноманов в этом ряду стоит особо. Именно через его «Небо над Берлином» мы открывали для себя Берлин, влюблялись в этот город и мечтали о том, чтобы однажды в него возвратиться.

Про Берлин снято много фильмов. Но Вендерсу удалось увидеть дух самого места, genius loci этого города. Но главное – это кино рассказывает не о конкретном городе или его жителях.  Вдруг открываешь этот город в самом себе. Фильм Вендерса заставляет по-другому увидеть свой родной город, вспомнить его глазами ребенка, которого ты когда-то видео в отражениях луж и витрин. Поэтому к этому фильму постоянно возвращаешься, небо над Берлином превратилось в образ такого постоянного возвращения.

… С большим интересом ожидал я последний фильм Вендерса – «Пина». Конечно, была интересна Пина, но – как это сделал Вендерс? Ему всегда удавалось найти неожиданный ракурс, особую «оптику» даже для документальных историй.

В Берлине у меня появилась возможность посмотреть «Пину». В Беларуси, к сожалению, этого фильма в прокате нет (кинотеатры, почти все как один, «затовариваются» недорогими американскими экшенами, дающими гарантию полных залов).  Поэтому я решился на несколько часов покинуть свою «берлогу», чтобы увидеть этот фильм.

Я не буду описывать ощущения от картины, вспоминать те кадры, которые на какой-то момент заставляли меня забыть о реалиях, существующих вне стен кинозала. Но. Я вдруг понял, почему Вендерс так долго, несколько лет, готовился к этому фильму. Он знал, что каким бы особым художественным взглядом он не обладал, у этого кино будет один автор – Пина.

Ее сила, ее образ – в каждом кадре,  в каждом движении тел, мимике танцоров, в предметах, в полете «воздушных» трамваев над Вупперталем… С другой стороны, возможно, в таком режиссерском «растворении» и проявился гений Вендерса: ему удалось посмотреть на этот мир глазами Пины, чтобы удивиться состраданию, чувственности и бесконечной его красоте. Пина не вообразила мир таковым, ей удалось «через боль других» выявить самые горные и одновременно такие земные его грани.

 

Artur Klinau – blog 6

Ich bin kein „korrekter“ Reisender. Ich mag es nicht, mich auf Reisen vorzubereiten – die Route zu erkunden, mir die Geschichte der Städte anzueignen, die Tips derjenigen zu lesen, die schon dort waren. Ich will die Orte lieber selbst entdecken.

Zum Beispiel Lust bekommen, nach Brandenburg an der Havel zu fahren (aus irgendeinem Grund hatte ich gedacht, dies sei die Hauptstadt des Bundeslands), eine Fahrkarte kaufen, mich in den Zug setzen, ankommen, aussteigen und vom Bahnsteig in die Richtung gehen, wo ich das Stadtzentrum vermute. Und mich dann, nachdem ich einige Stunden durch die Gassen gelaufen bin, ohne die Haupteinkaufsstraße oder die Altstadt gefunden zu haben, müde in die Straßenbahn Richtung Bahnhof zu setzen, die mich plötzlich ins Herz der Stadt bringt, so dass ich das alte Brandenburg an der Havel aus dem Fenster des Waggons betrachten kann. Und abends auf dem Rückweg nach Berlin denken: Warum bin ich eigentlich nach Brandenburg gefahren und nicht nach Potsdam, dessen Silhouette mir schon aus dem Zug gefallen hatte. Als ich später den Reiseführer las, verstand ich, dass man eigentlich nach Potsdam fahren muss. Das ist die Kehrseite des „unkorrekten“ Reisens, dennoch gefällt es mir besser.

Zur Zeit beschränke ich meine Ausflüge durch Berlin und in das Umland auf einige schon zur Gewohnheit gewordene Spaziergänge durch das Viertel um die Bleibtreustraße Richtung Savignyplatz (ihn nenne ich mein „Stadion“). Zweimal am Tag, morgens und abends, gehe ich aus dem Hotel, drehe eine Runde durch mein „Stadion“ und kehre dann in mein Zimmer zurück, um weiterzuschreiben.

Vor einigen Jahren spielte sich, wie ich schon geschrieben habe, mein Berliner Leben in der Gegend um die Oranienburger Straße ab. In den letzten Jahren waren meine Aufenthalte in der Stadt immer mit dem Kurfürstendamm und seinen Seitenstraßen verbunden. Das ist ein ganz anderes Berlin, teure Boutiquen reihen sich hier aneinander, es gibt eine Unzahl von Hotels, Cafés, Restaurants – und Massen von Touristen, die zum Shoppen kommen.

Warum gerade der Kurfürstendamm? Das hat sich so ergeben. Wenn ich nach Berlin kam, um aus meinem Buch „Minsk. Sonnenstadt der Träume“ zu lesen, verschlug es mich meistens in diese Gegend: Ich wohnte im Literaturhaus in der Fasanenstraße, nicht weit entfernt wohnt auch Katharina Raabe, die Lektorin für osteuropäische Literatur beim Suhrkamp-Verlag, einmal schlief ich auch für eine Nacht im Bleibtreu-Hotel…

Den Kurfürstendamm entdecke ich bis heute – bei meinen schon zur Tradition gewordenen Spaziergängen und bei spontanen, „irregulären“ Streifzügen, zu denen ich trotz meines Rituals häufig aufbreche. Diese Streifzüge mag ich sehr. Manchmal breche ich nach dem Frühstück in mein „Stadion“ auf, plötzlich erwacht der „unkorrekte“ Reisende. Ich verlasse meine gewohnte Route und schlendere auf gut Glück, immer dem Gefühl nach, durch Straßen, die ich nicht kenne, betrachte Schaufenster, Reklametafeln, Passanten. So habe ich neulich unweit des Hotels die Kirche entdeckt, deren Glocken mich jede halbe und volle Stunde an die Zeit erinnern. Früher konnte ich mir diese Glocken nur vorstellen, jetzt habe ich sie gesehen…

Mir gefallen Rituale. Ihre Monotonie birgt, so scheint es manchmal, mehr Sinn als der Kitzel immer neuer Eindrücke. Doch um die Kraft und die Weisheit des Gleichgewichts zu erkennen, zu verstehen und zu schätzen, muss man dieses gelegentlich stören, um anschließend mit Freude zu seinen alten Gewohnheiten zurückzukehren.

aus dem Russischen von Volker Weichsel

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 Я – «неправильный» путешественник. Я не люблю специально готовиться к поездке – изучать маршрут, штудировать историю городов, читать советы тех, кто там уже бывал. Мне нравится открывать для себя места.

Захотеть, например, поехать в Бранденбург-на-Хафеле (я почему-то подумал, что это и есть главный город округа), купить билет, сесть в поезд, доехать, выйти на перроне и пойти в сторону, где, как мне кажется, находится центр. А потом, несколько часов побродив по переулкам и так и не обнаружив ни центральной улицы, ни старого города, уставшим сесть в трамвай до вокзала, который вдруг и ввозит меня в сердце города, и я наблюдаю старый Бранденбург-на-Хафеле через стекло вагона. А вечером, возвращаясь в Берлин, подумать: а чего, собственно, я поехал в Бранденбург-на-Хафеле, а не в Потсдам, видами которого наслаждался уже в поезде? (Позже, прочитав путеводитель, понял, что ехать нужно было именно в Потсдам). Это обратная сторона «неправильного» туризма, но мне так нравится больше.

Сейчас мои путешествия по Берлину и окрестностям ограничиваются небольшими, ставшими уже традиционными для меня, прогулками по кварталу Bleibtreustrasse в сторону Savignyplatz («мой стадион», как я его называю). Два раза в день – утром и вечером – я выхожу из отеля, прохожу по «моему стадиону», чтобы потом вернуться в номер и продолжить писать.

Еще несколько лет назад, как я уже писал, моя берлинская жизнь проходила вокруг Oranienburger Straße. Последние годы мое пребывание в этом городе связано именно с Kurfürstandamm и прилегающими к нему улицами. Это совершенно другой Берлин – анфилада дорогих бутиков, огромное количество отелей, кафе и ресторанов, толпы shopping туристов.

Почему именно это улица? Так случилось, что, приезжая в Берлин для презентации “Minsk – Sonnenstadt der Träume”, я чаще всего останавливался именно в этом районе: жил в Literaturhaus Berlin на Fasanenstraße, недалеко живет Катарина Раабе, редактор отдела литературы Восточной Европы издательства Suhrkamp, когда-то останавливался на одну ночь в Bleibtreu Hotel…

Kurfürstandamm я продолжаю открывать до сих пор – традиционными прогулками и внезапными, «неправильными» путешествиями, которые, несмотря на мою приверженность к ритуалу, со мной нередко случаются, и которые я очень люблю. Бывает выхожу после завтрака на «свой стадион», и вдруг во мне просыпается «неправильный» путешественник. Я сворачиваю со своего традиционного маршрута и наугад, ощупью, бреду по незнакомым мне улочкам, разглядывая витрины, вывески, прохожих. Так я однажды, недалеко от гостиницы, открыл для себя ту самую церковь, колокола которой каждые полчаса-час напоминают мне о времени. Раньше я мог только представлять эти колокола, теперь я их увидел…

Как я уже написал, я люблю ритуалы, в однообразии которых, как иногда кажется, сокрыто более смысла, нежели в постоянном щекотании своего восприятия. Но для того, чтобы понять, осознать и оценить силу и мудрость  равновесия, иногда нужно его нарушать, чтобы потом с удовольствием возвращаться к своим старым привычкам.


Der LiteraturRaum
    Im Rahmen des Projekts LiteraturRaum lädt das Hotel Bleibtreu Berlin in Zusammenarbeit mit dem internationalen literaturfestival berlin Schriftsteller in die Hauptstadt ein. Ein Jahr lang wird den Autoren aus aller Welt für jeweils vier bis sechs Wochen im Bleibtreu ein Zimmer zur Verfügung gestellt. Während dieser Zeit halten die Autoren Ihre Beobachtungen und Gedanken auf diesem Blog fest.
Künstler/Artists