Archiv der Kategorie ‘Markus Köhle in Berlin‘

 
 

Hühnchen-, Ochsen- und andere Brüste

Stipendiumantrittsgewicht: 77 kg
An Mittags- und Abendgerichten aus der Bleibtreuküche einverleibte ich mir vom 2. bis 31. März in akkurat dieser Reihenfolge:
Cheese Steak 31 Sandwich, Gebratenes Maishähnchen mit Paprika-Zucchini-Gemüse und Kräuterreis, Spaghetti Bolognese, Gebratenes Zanderfilet auf Fenchelgemüse mit Kartoffeln in Kräutersauce, Rinderroulade mit Prinzessbohnen und Kartoffelpüree, Rosa gebratene Entenbrust mit Zucchini-Kartoffelgemüse und Thymiansauce, Classic Burger mit Bleibtreu Fries und Cole Slaw, Kartoffelsuppe mit Geflügelwürstchen und Pilzen, Pasta 31, Chili Beef Burger, Königsburger Klöpse mit Kartoffelpüree und Gurkensalat, Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln und Gurkensalat, Gebratenes Maishähnchen mit Paprika-Zucchini-Gemüse und Kräuterreis (Sorry!), Caesarsalat mit Hähnchenbruststreifen, Pasta Pesto mit Rucola, Matjesfilet mit Hausfrauensauce, Bratkartoffeln und Beilagensalat, Rosa gebratene Entenbrust mit Zucchini-Kartoffelgemüse und Thymiansauce (Sorry, ich steh auf Brüste), Rotbarschfilet mit Ratatouillegemüse und Kräuterreis, Club Sandwich, Pasta mit Gemüsesugo, Freesisch Ochs Rumpsteak mit Pfeffersauce und Cole Slaw, Leberkäse mit Bratkartoffeln, Bio-Freiland Spiegelei und Blattsalat, New York Chicken Bagle, Roast Beef und Remoulade, Deli 31 Sandwich, Hühnerschnitzel mit Möhrchen, Kartoffelgratain und Blumenkohl, Currygeschnetzeltes mit Reis, Pasta Pesto, Zürcher Geschnetzeltes mit Spätzle, American Wrap, Crispy Chicken Melt Burger, will heißen Hähnchenbrust im Nussmantel gefüllt mit Brie, karamelisierten Birnenspalten, Rucola, Preiselbeerfrischkäse und Zimt- Fries mit Pflaumenmus (danach war mir ehrlich und den ganzen Nachmittag lang schlecht!), Bunter Salat mit gebratenen Hähnchenbruststreifen:-) und Halumi, Pastrami Sandwich also Ochsenbrustschinken mit Spreewaldgurke (die Überraschung schlechthin, nichts für jeden Abend aber wenn man auf Brüste steht, dann fährt so eine Ochsenbrust schon mächtig!), Club-Sandwich, Rinderroulade mit Prinzessbohnen und Kartoffelpüree (ist einfach zu gut, allerdings auch eine Megaportion, danach Mittagsschläfchen Pflicht, also rein damit, so lange man sich das noch erlauben kann!), Bleibtreu Spezial Sandwich, Freesisch Ochs Rumpsteak mit Pfeffersauce und Salat dazu der Merlot „S“ (ach, japs, seufz, eine Wucht!), Penne mit Crevetten und grünem Spargel und zum Abschluss einen klassischen Cheese Burger den zu zerteilen einem Ziegler Edelbrand Geschmacksrichtung Waldhimbeere aufgetragen wurde und ja, was soll ich sagen, er tat Dienst.

Stipendiumabschlussgewicht: 77 kg (keine Veränderung also diesbezüglich aber mittlerweile mehr Romanseiten als Kilos und das Ende bereits vor Augen, das ist schön!)
Merci!

31 Gründe wieder ins Bleibtreu zu kommen

(in zufälliger Reihenfolge)

31 Die schräg zur Tischkante gestellten Stühle
30 Das blau-weiße Kieselfeld im Hof
29 Der dreivierteleurotische Wandteppich im Stiegenhaus
28 Der Speisekarten-Appetizer-Auszug im Aufzug
27 Der folgenlose Fehlleistungen hervorrufende Brandschutztürschalter nebst dem Aufzug
26 Die stets frische Tischflora
25 Die unprätentiöse, beschwingt bzw. angenehm müde machende Hintergrundmusik
24 Das expressive, monochrome Innenmuster der Hotelkuverts
23 Die schlichte Eleganz der Wassergläser (und das Prickeln des Nassgutes an sich)
22 Die Verwöhnspiegel im Damenklo (they say)
21 Die patenten Kalthalteplatten-Tischauflagen beim Frühstücksbuffet
20 Die praktische Verrollbarkeit der Möbel
19 Die großzügige Dimensionierung der Wanne und die Glasabstellbarkeit am Wannenrand
18 Die verhaltene Diensteifrigkeit des Föhns
17 Die Drolligkeit der Bademäntel
16 Die Kontinuität der grünen Apfelgrüße am Nachtkästchen
15 Die Multifunktionalität der Kleiderhaken (auch gesehen als Karniesenabschlüsse)
14 Die leichte Merkbarkeit des Internetpassworts
13 Die Tapsigkeit begünstigende Asymmetrie der Kaffee-Untertassen
12 Das nach ehrlicher Arbeit klingende Brummen der Espressomaschine
11 Die schrillen Interventionen der Kaffeemühle
10 Die Tag-für-Tag-rund-um-die-Uhr-Freundlichkeit des Personals
09 Die global ausgerichtete (aber zugegeben mitunter verwirrende) Wanduhr im Foyer
08 Der Versteckwinkel für Verschämte in der Kräuterdampfkammer
07 Das Tauchbecken für Unerschrockene (aus der Kräuterdampfkammer kommende)
06 Die Zimmeraussichten und Einsichten in die Wohnungen anderer (meist besser als das Fernsehprogramm:-)
05 Die Sonnenblendenvollautomatik (schönes Ablenkspielchen, wenn einen die Muse grad mal nicht küsst)
04 Die Schallschluckfähigkeit der Zimmertüren (nein, ich möchte auch nicht immer hören, wie das, was ich von mir gebe, so nach außen klingt)
03 Die Frotteepantoffel (mit Badetuch und -mantel angezogen, machen einen zum Eisbär-Knut-look-alike, ach nein, huch, der ist ja, … egal…)
02 Der Ergometer im Wellnessbereich (Ich strample ergo sum!)
01 Die Güte der Matratze (ich schlief tief, träumte viel und das Aufwachen fiel mir leicht, nur der Abschied schwer – adieu [aber hoffentlich auf bald] Hotelleben!)

Kennenlernspiele

Nach vier Wochen kennt man seine Nachbarn.
Nicht persönlich, nicht dass ich irgend jemanden vom Haus gegenüber auf der Straße erkennen würde, aber ich weiß, dass im dritten Stock schräg links immer der Fernseher läuft (nicht meine Programmvorlieben), dass der Herr im vierten Stock zum Rauchen auf den Balkon geht, wenn die Sonne scheint dann gerne in Unterhemd und Schiesser-Feinrippslip, dass der mich auch ganz gerne beobachtet, wenn er inhaliert und Rauchwölkchen produziert und ich gedankenverloren oder nach einem passenden Wort suchend meinen Kopf in Schräglage bringe und ihn dann unverwandt anblicke.

Seit gut einer Woche grüßen wir uns, indem wie beide leicht nach oben nicken. Heute aschte er zum Gruß sogar in meine Richtung. Ich interpretierte diese Geste als Vergänglichkeitsmerkmal meines Aufenthalts und – theatralisch wie ich berufsbedingt nun mal bin – zog den Vorhang zu.


Der LiteraturRaum
    Im Rahmen des Projekts LiteraturRaum lädt das Hotel Bleibtreu Berlin in Zusammenarbeit mit dem internationalen literaturfestival berlin Schriftsteller in die Hauptstadt ein. Ein Jahr lang wird den Autoren aus aller Welt für jeweils vier bis sechs Wochen im Bleibtreu ein Zimmer zur Verfügung gestellt. Während dieser Zeit halten die Autoren Ihre Beobachtungen und Gedanken auf diesem Blog fest.
Künstler/Artists