Dank zweier Überraschungen am Morgen des gestrigen 13. Februar 2010 verlebte ich einen wunderschönen Tag. Die erste war eine Grußkarte zum Valentinstag von Margaret aus London. Die zweite war, dass ich während eines mehrere Stunden dauernden Spazierganges durch die verschneiten Straßen Berlins zufällig den Walter-Benjamin-Platz entdeckte. Sofort mochte ich diesen Platz abseits des Kurfürstendammes. Wie angenagelt stand ich vor dem Schild, das den Namen dieses großen deutschen Philosophen und Kritikers trug, und wusste nicht: Fand ich den Platz wegen seiner Architektur so schön oder wegen meiner Bewunderung für Walter Benjamin, der trotz des harten, unsteten und kurzen Lebens, das er gelebt hat, der Menschheit unsterbliche literarische und philosophische Schätze hinterlassen hat?
Der Schnee, der auf Berlin herabrieselte und das Grau der eleganten Gebäude gaben dem Platz etwas Ehrwürdiges und Erhabenes, und es schien, als wäre diese Anlage selbst den Arbeiten und dem Leben jenes außergewöhnlichen Philosophen entstiegen.
An den Längsseiten des rechteckig angelegten Platzes in Charlottenburg erstrecken sich Arkaden mit gehobenen Restaurants, einem noblen Friseursalon und teuren Textilgeschäften. Schnell vermisst man als Besucher allerdings eine ebenso schöne und bedeutende Buchhandlung.
Mein Wissen über das Wirken Walter Benjamins beschränkt sich auf ein paar arabische Untersuchungen über ihn, aber ich kann mich gut daran erinnern, wie arabische Intellektuelle im Quartier Latin von Paris Mitte der achtziger Jahre auf Arabisch und auf Französisch über Benjamin debattierten. Stundenlang zogen sich solche Diskussionen hin, während derer ich von der Frankfurter Schule, Martin Heidegger, Theodor Adorno, Georg Lukács, Jürgen Habermas und anderen hörte. Oft wurde auch darüber diskutiert, wie man Walter Benjamin im Arabischen korrekt ausspreche müsse: Wie im Englischen, also „Walter Benyamin“ oder eher französisch akzentuiert: „Valter Benjama“? Die meisten Diskussionen kreisten aber um das bittere Leben, das der Philosoph führte und die dramatische Art, wie er diesem selbst ein Ende bereitete – sein Selbstmord an der französisch-spanischen Grenze.
Ich war sehr froh, über den Berliner Walter-Benjamin-Platz zu laufen, und ich fühlte auch etwas Stolz darüber, dass in den letzten fünf Jahren drei seiner Arbeiten ins Arabische übersetzt worden sind: „Ausgewählte Aufsätze“, die „Einbahnstraße“, beide von Ahmad Hassan übersetzt und in Jordanien verlegt, und „Das Paris des Second Empire bei Baudelaire“, erschienen beim Kairoer Merit-Verlag. Alle drei Bücher wurden bereits angemessen rezensiert, und sie haben es verdient. Sie werden das arabische Geistesleben mit Sicherheit bereichern.
Übersetzung aus dem Arabischen: Günther Orth


